Franz Anton Mesmer

Franz Anton Mesmer – Arzt aus Frauenfeld und Wegbereiter der Hypnose

Franz Anton Mesmer, geboren in der Region Frauenfeld, gilt für viele als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Hypnose. Manche bezeichnen ihn sogar als den „Vater der Hypnose“. Am 5. März 2015 jährte sich sein Todestag zum 200. Mal – ein Anlass, der dazu einlädt, sein Wirken neu und differenziert zu betrachten.

Auch mir war Mesmer lange Zeit nur vage bekannt. Die wenigen Informationen, die ich kannte, wirkten eher nebulös, seine Methoden schienen langsam, beinahe archaisch. Die Frage stellte sich: War sein Einfluss auf die heutige Hypnose und Hypnosetherapie tatsächlich so bedeutend – gerade im Vergleich zu späteren Entwicklungen, wie wir sie heute etwa in der medizinischen Hypnose kennen?

Ein Gespräch mit einem Berufskollegen, der als Supervisor und Instruktor am Dave Elman Hypnose Institute tätig ist und die klassischen Dave-Elman-Methoden mit grosser Leidenschaft weitergibt, weckte mein Interesse neu. Ich begann, mich intensiver mit Mesmers Leben und Wirken auseinanderzusetzen.

Je mehr ich las und je öfter ich jene Orte im Bodenseeraum aufsuchte, an denen Mesmer tätig war – unter anderem auch in der Region rund um Weinfelden –, desto klarer wurde mir: Sein Einfluss wird bis heute deutlich unterschätzt. Mesmers Arbeit ging weit über einfache Tranceeinleitungen hinaus. Sein Denken, sein Menschenbild und sein Verständnis von Heilung legten wichtige

Franz Anton Mesmer, Arzt und Wegbereiter der Hypnose

Grundlagen, die sich – bewusst oder unbewusst – in vielen modernen Hypnoseansätzen wiederfinden. Gerade in der heutigen Praxis, etwa im Raum Thurgau oder bei meiner Arbeit mit Klientinnen und Klienten in und um Frauenfeld, erkenne ich immer wieder Parallelen zwischen historischen Konzepten und aktuellen hypnotherapeutischen Methoden. Diese Auseinandersetzung hat mir neue Zusammenhänge eröffnet, die meine tägliche Arbeit als Hypnosetherapeutin bereichern – sowohl mit Erwachsenen als auch in der Kinderhypnose. Umso mehr freut es mich, diesen Beitrag im Rahmen meiner Tätigkeit in der Region zu veröffentlichen und damit einen historischen Bogen zu schlagen: von Mesmers Zeit bis zur heutigen Hypnosepraxis und des Hypnosecenter Frauenfeld, dass sich an der gleichen Strasse heute befindet.


Franz Anton Mesmer – wie alles begann

Franz Anton Mesmer wurde am 23. Mai 1734 in Iznang am Bodensee geboren. Als Sohn eines Forstbeamten war für ihn zunächst eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Doch schon früh zeigte sich seine grosse Faszination für Philosophie, Naturwissenschaften und insbesondere für die physikalischen Gesetzmässigkeiten seiner Zeit. Inspiriert vom rationalistischen Denken Christian Wolffs widmete er sich an der Universität Ingolstadt intensiv der Mathematik und Physik, bevor er nach Wien übersiedelte, um Medizin zu studieren und zu promovieren.

Sein Studium finanzierte Mesmer durch Privatunterricht. Nach seiner Heirat mit einer wohlhabenden Witwe erfüllte er sich den Traum einer eigenen medizinischen Praxis in einem grossen Haus. Dort begann er, seine ungewöhnlichen Theorien weiterzuentwickeln – Theorien, die später den Grundstein für das legten, was wir heute als Hypnose kennen.

Mesmer vertrat die Auffassung, dass Mond und Planeten im menschlichen Körper feine Schwingungen einer unsichtbaren Flüssigkeit erzeugen würden. Krankheiten entstünden, so seine Überzeugung, durch Störungen oder Blockaden im Fluss dieser Energie. Durch den von ihm so bezeichneten „animalischen Magnetismus“ wollte er diesen Fluss wieder harmonisieren. Diese Methode wurde bald unter dem Begriff Mesmerismus bekannt – und machte Mesmer europaweit berühmt. Nicht wenige sehen in ihm den eigentlichen Ursprung der Hypnose und damit auch eine frühe Grundlage dessen, was heute in der medizinischen Hypnose Anwendung findet.

Sein Erfolg brachte jedoch auch Kritik mit sich. Nach einem öffentlichen Skandal in Wien zog Mesmer 1778 nach Paris, wo seine Praxis grossen Zulauf erhielt. Tausende Menschen suchten seine Behandlungen auf, Mesmer wurde wohlhabend – aber auch umstritten. Eine königliche Kommission kam später zu dem Schluss, dass seine Erfolge weniger auf einer messbaren Energie, sondern auf dem heute bekannten Placebo-Effekt beruhten. Mesmer verliess Paris 1785 und reiste durch Europa, unter anderem auch durch die heutige Schweiz. Seine Spuren finden sich im Bodenseeraum ebenso wie im Thurgau, bevor er sich schliesslich in Meersburg niederliess, wo er 1815 verstarb.


Das Mystische und die Wurzeln der Hypnose

Mesmers Denken war geprägt von der Vorstellung, dass jeder Mensch über eine innere magnetische Kraft verfüge. Krankheit bedeutete für ihn ein Ungleichgewicht dieses Energieflusses. Um diesen wiederherzustellen, experimentierte er mit Magneten, metallischen Gegenständen, später mit einem magnetischen Stab – und schliesslich nur noch mit seinen Händen. Die bekannten „mesmerischen Streichungen“ entstanden.

In Paris entwickelte er sogar sogenannte Baquets – mit Wasser und Metall gefüllte Gefässe –, um mehrere Patienten gleichzeitig zu behandeln. Die Menschen sassen darum herum, berührten die Vorrichtung und fielen häufig in tranceähnliche Zustände. Auch wenn diese Methoden heute fremd erscheinen, zeigen sie deutlich, wie stark Suggestion, Erwartung und innere Fokussierung bereits damals wirkten – Prinzipien, die in der modernen Hypnosetherapie weiterhin eine zentrale Rolle spielen.


Von Mesmer zur modernen Hypnosepraxis

Viele heutige Hypnosetherapeuten, Psychologen und Ausbildner bauen – bewusst oder unbewusst – auf den Grundlagen auf, die Mesmer gelegt hat. In der heutigen Hypnosepraxis, etwa im Raum St. Gallen, in Wil, der gesamten Ostschweiz, aber auch in Regionen wie Zürich, Winterthur oder Effretikon, sind diese historischen Wurzeln noch immer spürbar – wenn auch wissenschaftlich weiterentwickelt und klar strukturiert.

Besonders spannend ist, dass Mesmers Ansätze nicht nur therapeutisch, sondern auch didaktisch relevant sind. Seine Arbeit zeigt, wie Trance entsteht, wie Aufmerksamkeit gebündelt wird und wie innere Prozesse angestossen werden können. Genau hier knüpfen moderne Konzepte an. Hypnose ist heute nicht nur eine Therapieform, sondern auch ein erlernbares Handwerk. Wer sich dafür interessiert, Hypnose professionell zu erlernen, findet heute fundierte, praxisnahe Ausbildungswege, die historische Erkenntnisse mit modernen hypnotherapeutischen Methoden verbinden.

Mesmers Vermächtnis lebt somit weiter – nicht als mystisches Relikt, sondern als bedeutender Meilenstein auf dem Weg zur heutigen Hypnose.


Zum 200-jährigen Todestag von Franz Anton Mesmer – Vortrag

Anlässlich des 200-jährigen Todestages von Franz Anton Mesmer fand am 3. März 2015 ein öffentlicher Vortrag in Frauenfeld im Thurgau statt. Ziel war es, Mesmers Leben, sein Wirken und den nachhaltigen Einfluss seiner Arbeit auf die heutige Hypnose besser zu verstehen und historisch einzuordnen.

Im Rahmen dieses Vortrags wurden nicht nur Mesmers theoretische Konzepte beleuchtet, sondern auch praktische Erfahrungen mit dem Mesmerismus diskutiert.

Ein Berufsfreund berichtete dabei von erfolgreichen Anwendungen dieser Methode – unter anderem im Umgang mit Schmerzen sowie bei regressiven Prozessen, bei denen Klientinnen und Klienten frühere Lebensabschnitte erkunden.

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Interessanterweise zeigte sich, dass diese Arbeit besonders wirksam zu sein scheint, wenn Menschen offen für energetische Konzepte sind. Gleichzeitig wurde aber auch beobachtet, dass positive Veränderungen selbst bei jenen eintreten, die nicht an Energiearbeit oder energetische Heilansätze glauben. Dieses Phänomen lässt sich bis heute nicht abschliessend erklären, weist jedoch eindrücklich darauf hin, wie stark innere Prozesse, Erwartungshaltungen und Trancezustände zusammenwirken können.

Der Vortrag stiess auf grosses Interesse – nicht nur im Raum Hypnose Thurgau und Hypnose Frauenfeld, sondern auch bei Fachpersonen aus der Region St. Gallen. Er machte deutlich, dass Mesmers Ideen weit über historische Neugier hinausgehen und bis heute Denkanstösse für die moderne Hypnosepraxis liefern.

In den folgenden zwei Videos zeigt ein Berufsfreund anschaulich, wie Mesmerismus praktisch angewendet wird.

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Was unterscheidet den Mesmerismus von der heutigen, „klassischen“ Hypnose? Handelt es sich lediglich um einen Placebo-Effekt – oder wirkt hier mehr, als wir bislang erklären können? Diese Fragen eröffnen spannende Perspektiven. Warum sprechen manche Menschen besonders gut auf mesmerische Techniken an, während andere weniger davon profitieren? Und worauf beruht die Wirkung letztlich wirklich? Wer sich für den praktischen Ablauf moderner Hypnose interessiert – etwa im Raum Wil, im Umfeld von St. Gallen, im Thurgau oder allgemein in der Ostschweiz – findet weiterführende Informationen unter Ablauf einer Hypnosesitzung. Dort wird deutlich, wie sich heutige Hypnosetherapie von historischen Methoden unterscheidet und zugleich auf ihnen aufbaut.

Vieles, was früher als mystisch galt, kann die Wissenschaft heute gut erklären. Gerade im Bereich der Hypnose hat sich das Verständnis von Trance, Suggestion und neuropsychologischen Prozessen stark weiterentwickelt. Dennoch gibt es Aspekte des Mesmerismus, die sich bislang nicht vollständig einordnen lassen. Ob es sich dabei um komplexe Wechselwirkungen von Erwartung, Wahrnehmung und innerer Fokussierung handelt – oder um Prozesse, die wir erst künftig besser verstehen werden –, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Franz Anton Mesmer war seiner Zeit weit voraus. Er war ein Pionier, der grundlegende Fragen stellte und Wege beschritt, die spätere Entwicklungen entscheidend beeinflusst haben. Ähnlich wie Dave Elman, der mit seinen Methoden und der legendären Dave-Elman-Induktion die moderne Hypnose nachhaltig prägte.

Dave Elman vertrat die Überzeugung, dass es für Hypnosetherapeuten essenziell sei, von unterschiedlichen Lehrern verschiedene Techniken zu erlernen. Genau diese Offenheit spiegelt sich auch in der heutigen Hypnose wider: Sie ist kein starres System, sondern ein lebendiges Zusammenspiel aus Erfahrung, Wissenschaft und Praxis. Mesmerismus und moderne Hypnose stehen daher nicht im Widerspruch zueinander – sie sind Teil derselben Entwicklungsgeschichte. Wer bereit ist, über den Tellerrand hinauszuschauen, erkennt darin nicht nur historische Zusammenhänge, sondern auch wertvolle Impulse für die heutige hypnotherapeutische Arbeit.