Die Tiefenhypnose wird im Fachkontext auch als hypnotisches Koma oder als Esdaile-Stadium bezeichnet. Um die Verständlichkeit zu wahren, wird dieser besondere Bewusstseinszustand hier bewusst als Tiefenhypnose beschrieben. Gemeint ist jedoch das Esdaile-Stadium – einer der tiefsten bekannten Hypnosezustände. Charakteristisch für die Tiefenhypnose ist ein Zustand tiefer innerer Ruhe und Abgeschiedenheit. Klientinnen und Klienten berichten häufig von einem Gefühl intensiver Entspannung, innerer Euphorie und einem starken Rückzug in ihre eigene innere Welt. Die Wahrnehmung der äusseren Umgebung tritt deutlich in den Hintergrund und verliert an Bedeutung.
Ein zentrales Merkmal der Tiefenhypnose ist das Auftreten einer spontanen, nicht suggerierten Analgesie. Das bedeutet, dass Schmerzempfinden deutlich reduziert oder zeitweise ganz aufgehoben sein kann – ohne direkte Suggestion. Genau aus diesem Grund wird dieser Zustand seit jeher als besonders wertvoll für die Schmerzkontrolle betrachtet und findet auch unterstützend Anwendung bei medizinischen Eingriffen im Rahmen der medizinischen Hypnose. Nur ein kleiner Teil der Menschen gelangt spontan und mühelos in dieses tiefe Stadium. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass einige Klientinnen und Klienten diesen Zustand schrittweise erlernen und vertiefen können. Gerade in der therapeutischen Arbeit eröffnet dies wertvolle Möglichkeiten für nachhaltige innere Prozesse.
In meiner täglichen Praxis – unter anderem mit Menschen aus Frauenfeld, dem Thurgau sowie aus dem Raum Weinfelden – arbeite ich regelmässig mit diesem tiefen Hypnosezustand. Die Anwendung erfolgt stets achtsam, verantwortungsvoll und individuell abgestimmt. Das Hypnosecenter Frauenfeld nutzt die Tiefenhypnose seit vielen Jahren professionell und gezielt. Die langjährige Erfahrung zeigt, dass das Esdaile-Stadium eine wirkungsvolle Grundlage für tiefgreifende Prozesse sein kann – insbesondere dort, wo das bewusste Denken in den Hintergrund treten darf und innere Regulation auf einer tieferen Ebene stattfindet.
Hypnose ist kein modernes Konzept. Bereits seit mehreren tausend Jahren sind Zustände bekannt, die dem entsprechen, was wir heute als Trance oder Hypnose bezeichnen. Die Geschichte der Hypnose ist lang und vielschichtig, weshalb an dieser Stelle nur ein kurzer Überblick möglich ist. Auch wenn sich die Begriffe im Laufe der Zeit verändert haben, sind die grundlegenden Wirkmechanismen stets dieselben geblieben.
Bevor sich der Begriff Hypnose etablierte, wurde dieser Zustand häufig als Magnetismus beschrieben. Der Arzt Franz Anton Mesmer, der unter anderem auch im heutigen Raum Frauenfeld wirkte, beschäftigte sich im 18. Jahrhundert intensiv mit diesen Phänomenen. Seine Arbeit legte wichtige Grundlagen, die später als Mesmerismus bekannt wurden und die Entwicklung der Hypnose nachhaltig beeinflussten.
Im Verlauf der medizinischen Entwicklung wurde immer wieder versucht, Schmerzen mithilfe chemischer Substanzen zu kontrollieren. Diese Methoden waren zwar teilweise wirksam, jedoch häufig mit Nebenwirkungen verbunden. Die mentale Schmerzkontrolle durch Tiefenhypnose stellte dagegen eine bemerkenswerte Alternative dar. Gerade in der heutigen Hypnosepraxis – beispielsweise in Wil oder auch im Umfeld von Effretikon – zeigt sich der Wert dieser nicht-medikamentösen Ansätze.
Eine zentrale Figur in diesem Zusammenhang war der englische Arzt James Esdaile. Bereits früh setzte er sich intensiv mit dem Mesmerismus auseinander. Im Jahr 1845 reiste er nach Indien, wo er seine Kenntnisse praktisch anwandte. Die Ergebnisse waren für damalige Verhältnisse aussergewöhnlich, da er operative Eingriffe unter Anwendung der Tiefenhypnose ermöglichte – zu einer Zeit, in der schmerzfreie Operationen kaum denkbar waren. Dr. Esdaile führte zahlreiche chirurgische Eingriffe durch, darunter Bauchoperationen, Amputationen und die Versorgung schwerer Verletzungen.

Besonders bemerkenswert war die deutlich reduzierte Sterblichkeitsrate seiner Patienten. Während operative Eingriffe damals mit hohen Risiken verbunden waren, erholten sich seine Patienten schneller und berichteten über ein insgesamt besseres Befinden. Diese historischen Erfahrungen bilden bis heute eine wichtige Grundlage für die Arbeit mit Tiefenhypnose.
Auch in der heutigen Hypnosepraxis – sei es in Winterthur, im Raum Zürich oder in Schaffhausen – knüpfen moderne therapeutische Ansätze an diese Erkenntnisse an. Tiefenhypnose wird dabei nicht als historisches Relikt verstanden, sondern als ein besonderer Bewusstseinszustand mit grossem Potenzial, der heute verantwortungsvoll, achtsam und auf dem aktuellen Stand des Wissens angewendet wird.
Mit grosser Begeisterung und umfangreichen praktischen Erfahrungen kehrte James Esdaile aus Indien nach England zurück. Sein Ziel war es, seinen ärztlichen Kollegen zu zeigen, welches Potenzial die Tiefenhypnose bietet – insbesondere im Hinblick auf eine wirksame Schmerzkontrolle und die deutliche Senkung der Sterblichkeitsrate bei chirurgischen Eingriffen.

Um seine Erkenntnisse zu belegen, entschloss sich Esdaile, die Tiefenhypnose vor versammelter Ärzteschaft öffentlich zu demonstrieren. Doch genau in diesem Moment blieb der erwartete Effekt aus. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bestimmte innere Mechanismen dieses tiefen Hypnosezustands noch nicht vollständig verstanden oder zuverlässig reproduzierbar gemacht. Die Reaktion seiner Kollegen war entsprechend kritisch: Esdaile wurde verspottet und als Scharlatan abgetan.
Ungeachtet dieser Ablehnung eröffnete er dennoch ein eigenes Krankenhaus in England, in dem er die Tiefenhypnose weiterhin so anwandte, wie er sie in Indien entwickelt und erfolgreich praktiziert hatte. Dort erzielte er erneut bemerkenswerte Ergebnisse. Dennoch blieb die Anerkennung aus: Mit Ausnahme eines einzigen weiteren Arztes nahm kaum jemand seine Arbeit ernst.
Besonders bemerkenswert ist, dass es – abgesehen von diesem Kollegen – niemandem gelang, den Zustand der Tiefenhypnose auf dieselbe Weise herbeizuführen.
Dies trug zusätzlich dazu bei, dass Esdailes Arbeit lange Zeit isoliert blieb und erst deutlich später wieder aufgegriffen und eingeordnet wurde. Heute gilt diese Phase als ein wichtiger, wenn auch schwieriger Abschnitt in der Geschichte der Tiefenhypnose. Sie zeigt eindrücklich, wie bahnbrechende Erkenntnisse ihrer Zeit voraus sein können – und wie viel Geduld es manchmal braucht, bis neue Methoden verstanden, weiterentwickelt und akzeptiert werden.
Die Bühnenhypnose ist ein kontrovers diskutiertes Thema und wird häufig kritisch betrachtet. Viele Vorbehalte sind nachvollziehbar. Dennoch lohnt sich ein differenzierter Blick, denn historisch betrachtet hat die Bühnenhypnose – unbeabsichtigt – auch zur Weiterentwicklung des Verständnisses von Tiefenhypnose beigetragen.
Um die Jahrhundertwende, etwa um 1900, waren Bühnenhypnotiseure mit verschiedenen Trancezuständen bereits vertraut. Dabei kam es immer wieder vor, dass einzelne Probanden spontan und ohne gezielte Einleitung in einen extrem tiefen Hypnosezustand glitten – das, was wir heute als Tiefenhypnose oder Esdaile-Stadium bezeichnen würden. Diese Zustände traten auf der Bühne auf, ohne dass der Hypnotiseur sie bewusst herbeigeführt hatte.
Die Bühnenhypnotiseure beobachteten, dass diese Personen nicht mehr auf äussere Reize reagierten und auch keine Suggestionen mehr annahmen. Gleichzeitig fehlte jedoch das Wissen darüber, wie man diesen tiefen Zustand kontrolliert einleitet oder sicher wieder beendet. Genau das machte die Situation unberechenbar.
Aus diesem Grund entwickelte sich bei vielen Bühnenhypnotiseuren eine regelrechte Angst vor der Tiefenhypnose. Wenn ein Proband spontan in diesen Zustand fiel, war er für den Hypnotiseur nicht mehr erreichbar. In der Öffentlichkeit wurde dies oft missverstanden: Der Hypnotiseur wurde beschuldigt, fahrlässig oder manipulativ gehandelt zu haben. In einzelnen Fällen kam es sogar vor, dass Bühnenhypnotiseure rechtlich belangt oder

vorübergehend inhaftiert wurden – bis die betroffene Person von selbst wieder aus dem Zustand zurückkehrte. Dieser Prozess konnte teilweise mehrere Stunden dauern.
Diese historischen Erfahrungen zeigen eindrücklich, dass Tiefenhypnose kein Show-Phänomen, sondern ein eigenständiger, sehr tiefer Bewusstseinszustand ist, der Fachwissen, Erfahrung und einen verantwortungsvollen Umgang erfordert. Genau aus diesem Grund wird Tiefenhypnose heute klar von der Bühnenhypnose abgegrenzt und ausschliesslich im therapeutischen oder medizinischen Kontext angewendet.
In dieser Zeit trat ein junger Mann in Erscheinung, der die Entwicklung der modernen Hypnose nachhaltig prägen sollte: Dave Elman. Schon früh war er fasziniert von Hypnose und wollte alles darüber verstehen. Bereits als Kind studierte er die Werke von James Braid und anderen bedeutenden Hypnosepionieren.
Besonders beeindruckt war Dave Elman von eigenen Erfahrungen im familiären Umfeld, bei denen mithilfe von Tiefenhypnose eine wirksame Schmerzkontrolle erreicht werden konnte. Diese Erlebnisse weckten seinen Forschergeist. In jungen Jahren sammelte er zudem praktische Erfahrung auf der Bühne, wo er seine Techniken verfeinerte. In dieser Zeit entstand die legendäre Dave-Elman-Induktion.

Elman stellte sich eine zentrale Frage: Warum reagierten manche Menschen völlig anders auf Hypnose als die Mehrheit? Warum glitten einige Personen spontan und ohne Suggestion in eine Tiefenhypnose ab? Er kannte die Theorien von Braid und James Esdaile, wollte jedoch aus erster Hand verstehen, was in diesen Momenten tatsächlich geschah.
Durch intensive Gespräche mit Probanden erkannte Dave Elman ein wiederkehrendes Muster: Viele beschrieben den Zustand der Tiefenhypnose als zutiefst angenehm, euphorisch und friedlich. Gleichzeitig bestand der Wunsch, einfach in Ruhe gelassen zu werden. Genau darin sah Elman den Grund, weshalb diese Personen nicht mehr auf äussere Reize reagierten oder den Zustand nicht verlassen wollten – nicht aus Blockade, sondern aus innerer Zufriedenheit.
Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelte Dave Elman gezielte, einfache und dennoch hochwirksame Suggestionen, mit denen sich die Tiefenhypnose kontrolliert und sicher beenden liess. Später entwickelte seine Frau Pauline Elman den strukturierten Prozess, mit dem sich dieser tiefe Hypnosezustand zuverlässig herbeiführen lässt. Damit war der Weg frei, Tiefenhypnose nicht nur zu erleben, sondern systematisch zu erforschen und zu lehren. Nach einer längeren Phase, in der Hypnose gesellschaftlich wenig anerkannt war, begann Dave Elman erneut zu unterrichten.
Das Interesse war enorm. Zahlreiche Ärzte liessen sich von ihm ausbilden und nutzten die Tiefenhypnose erfolgreich in ihrer medizinischen Praxis. Diese Tradition wirkt bis heute fort. Auch wir im Hypnosecenter Frauenfeld arbeiten – je nach Indikation – mit der Tiefenhypnose. Die Anwendung erfolgt stets verantwortungsvoll, fundiert und eingebettet in moderne hypnotherapeutische Konzepte. Gleichzeitig zeigt sich immer wieder: Hypnose ist erlernbar. Eine fundierte Hypnose Ausbildung ermöglicht es, diese bewährten Methoden professionell und sicher anzuwenden.
Die originalen Dave-Elman-Techniken werden heute von seinem Sohn Larry Elman weitergegeben. Gemeinsam mit Cheryl Elman leitet er das Dave Elman Hypnosis Institute in den USA. Unterstützt werden sie unter anderem von Sean Michael Andrews, dem Supervisor Instructor des Instituts. Im Frühjahr 2015 wurden erstmals internationale Instruktorinnen und Instruktoren des Dave Elman Hypnose Instituts ausgebildet. Ich fühle mich geehrt, Teil dieses Kreises zu sein und dieses Wissen im Rahmen meiner Arbeit weiterzugeben.
Wenn Sie Fragen zur Hypnose, zur Tiefenhypnose oder zur Hypnose Ausbildung haben, melden Sie sich gerne bei mir. Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.